Vorbemerkung:

        Vieles war bei dieser Reise anders:

        Zunächst das Ziel - diesmal nicht Griechenland. Nachdem wir nun mehrere

        Jahre dort herumgereist sind, sollte es diesmal die schöne Insel Sardinien

        sein, von der wir viel Schönes gelesen und auch von Freunden gehört

        hatten.

        Die Reisezeit - wir fuhren Ende August los. Eindeutig zu früh waren wir

        wir auf der Insel, denn es herrschte noch reger Betrieb durch italienische

        Urlauber, die wohl noch Urlaub / Ferien hatten. Dementsprechend gut

        gefüllt waren die schönsten Stellen.

        Verlust unseres Wohnmobils - wir kamen am 11. Tag unseres Aufenthaltes

        auf Sardinien in ein fürchterliches Unwetter. Die Folge war, dass wir das

        Fahrzeug im Hochwasser aufgeben mussten. Inzwischen - nach unser

        Rückkehr nach Deutschland - steht fest, dass das Womo einen Totalschaden

        hat.

        Dennoch:

        Die Insel ist wunderschön. Einige Strände und Buchten muten an, als wäre

        man in der Karibik: heller, fast weißer Strand, türkisfarbenes Meer und oft

        schöne Pinienwälder direkt hinter dem Strand.

        Die Berge sind toll, gewaltige Steigungen, tiefe Schluchten, interessante

        Grotten und Höhlen und vor allem: Sardinien hat ausgezeichnete

        Straßen.

        Die Menschen sind durchweg - bis auf einige Ausnahmen - nett und

        freundlich. Aber unfreundliche und gegenüber Hunden negativ einge-

        stellte Menschen gibt es auch bei uns.

        Route:   Olbia - Agrustos - Santa Lucia - Monte Albo -

                        Su Gologone - Orosei - Tortoli - Torre di Murtas

                        Tortoli - Nuoro - Olbia

        Dauer:   31.08. - 19.09. 2006

        Länge:   4230 km

 

                                                                Karte: www.moerike.net       rote Punkte anklicken !

        1. - 4. Tag    Anreise

        Wir fuhren unsere "Hausstrecke" Richtung Süden: Die A 7, Zwischenstationen sind

        am Main, in Sterzing ( Autocamp "Sadobre"), nördliche Toscana.

        Dort haben wir uns zuletzt etwas verbummelt und sind nicht, wie eigentlich

        vorgesehen, am 3. Tag in Piombino.

        In Italien nehmen wir die Strecke ab Modena-Süd quer durch die nördliche

        Toscana , weil wir dort eigentlich eine alte Freundin von Susannes Mutter

        besuchen wollen.

        Außerdem waren wir diese Bergstrecke - Kurven, Kurven, Kurven - gefahren,

        weil wir 1997 dort schon mal mit den Motorrädern waren.

        Während die Übernachtungsplätze der beiden ersten Nächte uns von früheren

        Reisen bekannt waren, gestaltet sich die Suche in der 3. Nacht schwieriger.

        An der Bergstraße ist kein geeigneter Platz, die Orte sind klein und eng.

        Endlich finden wir in Pievepelago, als wir von einer Brücke auf einen Fluss

        hinuntersehen, einen geeignetes Plätzchen zum Schlafen.

                           

        Am nächsten Morgen fahren wir Richtung Lucca. Kurz vorher ist das Haus

        der erwähnten Freundin von Schwiegermutter. Wir finden es zwar auf

        Anhieb, ein Nachbar erzählt uns aber, dass Anna verstorben ist und

        der Mann in einem Seniorenheim.

        Also fahren wir weiter, an der sehr bekannten "Ponte della Maddalena"

        vorbei.

                            

        Richtung Lucca.

        Dort wuseln wir uns um die Stadt herum, Richtung Livorno.

        Es ist Sonntag, tolles Sommerwetter und dementsprechend starker

        Ausflugsverkehr am Meer.

        Letztlich kommen wir auf die "Via Aurelia", die wir von 1997 her in besserer

        Erinnerung hatten, und erreichen nachmittags  Piombino .

        Dort kaufen wir unsere Tickets und können uns ab 20.00 Uhr an der Fähre 

        aufstellen.

                           

        An Bord ergattern wir einen Platz, der neben unserem Womo noch

        genug Raum für Tisch und Stühle lässt, so dass wir noch mit einem

        Paar vom Bodensee gemütlich beim Wein sitzen können.

        Die anschließende Nachtruhe ist nicht so toll, weil es für uns auf den

        Fähren doch immer zu laut ist.

        5. Tag    Ankunft in Olbia    Agrustos

        Gegen 04.30 Uhr ( sehr früh !) kommt die Fähre planmäßig in Olbia an.

        Es ist noch dunkel, doch wir finden gut aus dem Hafen heraus, gleich

        durch den Tunnel auf die SS 125 Richtung Flugplatz, und machen

        dann auf dem großen Parkplatz beim AUCHAN-Supermarkt Rast.

        Wir warten auf die Öffnung ( 09.00 Uhr ). Auf dem Parkplatz

        stehen etliche Wohnmobile, die wohl dort übernachtet haben

        und wahrscheinlich zur Tagfähre nach Olbia wollen.

        Nach dem Einkauf nehmen wir Kontakt mit unseren Freunden

        auf, die sich schon eine Woche auf Sardinien befinden. Sie stehen

        in einer schönen Bucht bei Agrustos.

        Zuerst müssen wir aber ent- und versorgen. Wir fragen an einer

        Tankstelle nach Wasser, dort hatte man aber keins oder will uns

        nichts geben. ( Wir hätten auch dafür bezahlt).

        In San Teodoro gibt es eine Ausschilderung zum örtlichen Klärwerk,

        wir finden das aber zuerst nicht. Nach einem weiteren Anruf bei

        den Freunden und guter Wegbescheibung finden wir endlich hin

        können alles bunkern und fahren dann in die Bucht bei Agrustos.

        Ein wunderschönes Fleckchen Erde, wir bekommen gleich einen

        schönen Eindruck, nachdem wir vorher durch das Gewusel in

        San Teodoro mit wahren Menschenmassen gefahren sind.

        Leider gibt es gleich zu Anfang einen Wermutstropfen. Ein ziemlich dicker

        Mann pöbelt, als er unsere Hunde - nicht am Strand und angeleint ! - sieht,

        auf italienisch los. Wir hören nur "Polizia" und "Cane". Was er nun genau

        will, ist uns nicht klar, zumal italienische Badegäste Hunde mit an den

        Strand genommen haben. Das kann ja heiter werden !

        Wir stehen ziemlich dicht hinter dem Strand auf einem Parkplatz und

        "verabreden" uns mit unseren Freunden für 19.30 Uhr, wenn alles leer ist,

        zum Grillen.

                           

        6. Tag    Agrustos

        Nach 9 Stunden Schlaf werden wir wach und ich mache mit den Hunden

        die obligatorische Runde. Jetzt können sie noch ohne Leine in der 

        Pineta umherstreifen, solange noch keine Einheimischen hier sind.

        Am Vormittag unternimmt Joachim erst mit mir und dann mit Sanni

        eine kleine Tour im Schlauchboot.

        Ich fahre dann mit dem Roller los, um weitere Stellmöglichkeiten Richtung

        Süden zu erkunden. Meist lande ich auf gebührenpflichtigen und überfüllten

        Parkplätzen. Ich komme bis Posada, das sehr schön auf einem Berg liegt.

        Vor der Brücke über den Fluss biege ich nach links zum Strand ab. Dort

        gibt es einen einfachen Parkplatz am Fluss, vor dem Pinienwäldchen.

        Im Wald selbst stehen Autos von Tagesgästen, am Beginn des Waldes ein

        unübersehbares Verbotsschild für Wohnmobile.

        7. Tag    Agrustos    Bergtour am Monte Albo    Su Gologone

        Heute morgen brechen Sybille und Joachim auf, um ihre Tochter, die mit 

        dem Flugzeug nach Olbia kommt, abzuholen und mir ihr eine Woche auf

        der Insel zu verbringen.

        Wir starten ebenfalls und folgen einem Tipp von Peter Höh aus dessen

        Buch "Die schönsten Routen durch Sardinien" . Dieses Werk hat uns bei den

        Vorbereitungen unser Reise gute Dienste geleistet und auch auf Sardinien

        selbst.

        Zunächst fahren wir ein kleines Stück südlich nach La Caletta. Nachdem die

        Hunde am leeren Strand neben dem Yachthafen ein erfrischendes Bad ge-

        nommen haben, gehen wir in die Stadt und gönnen uns in der "Boutique de

        Gelato" ein herrliches Urlaubseis.

        Danach fahren wir weiter nach Santa Lucia. Das Mittagessen - eine Fischplatte -

        nehmen wir im bekannten Ristorante "Mamma mia" zu uns.

        Anschließend nach rechts aus dem Ort hinaus zur Pineta. Dort stehen wir 1-2

        Stunden am felsigen Strand. Die Hunde nutzen die Leere und springen ins

        Meer.

        Nun zur eigentlichen Tour:

        Wir fahren zurück bis Siniscola und biegen ab zum "Monte Albo". Es geht in

        vielen Kurven steil hinauf, links liegt der fast weiße Berg (eben:Monte Albo).

        Wir wollen bis zum Dorf Lula, dort in der Nähe soll es eine Quelle mit Park-

        platz geben, wo wir übernachten wollen. Da wir unterwegs schon an einem

        Wasserhahn mit klarem Bergwasser vorbeikommen, tanken wir  und sind

        schon mal versorgt, zumindest ist der Tank halbvoll.

        Eine gute Idee, denn die genannte Quelle finden wir nicht. Es wird Abend

        und wir haben noch keine Übernachtungsmöglichkeit entdeckt.

        In vielen Reiseberichten hatte ich von dem Parkplatz bei der Karstquelle

        "Su Gologone" gelesen. Also lassen wir den "Monte Albo" hinter uns und

        trudeln hinunter, unterqueren die SS 131 und kommen schließlich zu dem

        Parkplatz.

                           

 

                                                   

        Hier übernachten wir, mit einem deutschen und einem französischen

        Womo herrlich ruhig.

 

        8. Tag    Su Gologone    Grotta Ispinigoli    Cala di Osalla (Orosei )

        Gleich morgens wandern wir hinunter zur Quelle. Wir sind ganz allein.

        Die Quelle ist wirklich sehenswert. Aus einer Felsspalte entspringt sie und

        fließt, als "Cedrino", durch einen Stausee hinunter nach Orosei.

        Das schöne Morgenlicht und die Stille tun gut.

                               

        Da wir gestern in den Bergen unseren Wassertank nur halb gefüllt haben,

        machen wir ihn hier auf dem Parkplatz voll, weil wir wieder zur Küste

        hinunter wollen.

        Wir schwingen uns hinab und biegen zunächst rechts auf die Straße über

        den Stausee und dann nach links auf die SS 125 bis zur "Grotta di

        Ispinigoli". Es gibt eine halbstündige Führung in italienisch und englisch

        und wir bestaunen den 38 m hohen Stalagmiten, der vom Grund bis

        an die Decke der Höhle reicht. Fotografieren ist leider untersagt.

        In Orosei biegen wir rechts ab, decken uns in einem "Isa"-Supermart für

        die nächsten Tage ein und fahren die Straße hinaus zur "Cala di Osalla".

        Neben dem Parkplatz der Bar "Su Petrosu" liegt ein Pinienwäldchen, in

        dem ein Womo aus der Schweiz und ein italienisches Fahrzeug stehen.

        Wir finden einen schönen Platz am Rand der Lagune, die hinter dem

        eigentlichen Strand liegt.

       

        Der Schweizer Wohnmobilist erzählt uns, dass sie hier schon 2 Tage stehen und

        es keinerlei Probleme gibt. Der italienische Camper wirft am Tag seinen

        Generator an - naja - und lässt sein Abwasser in den Pinienwald trinseln.

        Als ich ihn auf "Acqua nera" anspreche, zuckt er die Schultern und sagt:"Dusche".

        Ja eben.

        9. Tag    Cala di Osalla

        Schon gestern morgen hatte ich bei der Karstquelle bemerkt, dass der rechte

        Vorderreifen ein wenig "mau" aussah. Heute morgen stelle ich fest, dass er

        erheblich Luft verloren hat. Na Mahlzeit !

        Das Frühstück muss eh verdaut werden, also ran an die Arbeit. Zuerst den

        Roller runter, die Bühne abbauen, Wagenheber raus.

        Den Ducato-Wagenheber hatte ich zu Hause gelassen, weil er sehr schwer

        ist und ich alles aussortiert hatte, was unnötig Gewicht bringt. Ich habe

        einen hydraulischen Wagenheber für eine Belastung für 5 t.

        Kein Problem, das Fahrzeug hoch zu pumpen. Nun geht's weiter: Das Reserve-

        rad ist hinten unter dem Fahrzeugboden. Um es herauszuholen, muss der

        Tragekorb gelöst werden. Dazu benötigt man einen 14-er Steckschlüssel, der

        wo ist ? Natürlich zu Hause beim zurückgelassenen Wagenheber.

        Hilft nichts. ADAC anrufen, was ich eigentlich für eine normale Reifenpanne

        nicht tun würde. Nachdem die freundliche Dame am Telefon darauf besteht,

        die genaue Straßenbezeichnung zu erfahren, damit man uns auch findet,

        roller ich kurz nach Orosei, erkundige mich nach dem Straßennamen und

        rufe wieder beim ADAC an.

        Inzwischen ist ein weiteres Womo hinzu gekommen, Barbara und Hanno aus

        Norddeutschland.

        Da wir sowieso auf den Abschleppdienst warten müssen, leihe ich mir von

        Hanno dessen passenden Steckschlüssel aus und würge schon mal das Reserve-

        rad unter dem Wagen heraus.

        Irgendwie traue ich mich aber nicht, das defekte Rad herunter zu nehmen und

        stütze das Fahrzeug zusätzlich mit Felsbrocken ab.

        Der Abschleppdienst vom ACI erscheint und gemeinsam wechseln wir das Rad.

        Eine kleine eklige Schraube hatte sich in der Mitte der Lauffläche hineingebohrt.

        Nachdem das alles erledigt ist, der Reparateur ein kaltes Getränk dankbar 

        angenommen hat, genießen wir den Tag.

                                                                                                         

 

                              

        Eine kleine niedliche Katze will Bekanntschaft mit Willi machen. Der Bursche

        platzt fast, gehorcht aber und lässt die Kleine in Ruhe.

   

        Wir schließen ein wenig näher Bekanntschaft mit Barbara und Hanno und gehen

        abends in die nahe gelegene Bar.

        10. Tag    Orosei    Santa Maria Navarrese

        Ein weiterer schöner Tag beginnt. Barbara und Hanno brechen auf, sie wollen einen

        Abstecher in die Berge machen. Wir gehen kurz an den leeren Strand, bis es sich

        bedeckt. 

        Heute wollen wir versuchen, den Reifen reparieren zu lassen. In Orosei erklärt mir

        eine Frau, dass es dort in der Stadt einen "Gomma-Service" gibt. Die Wegbe-

        schreibung verstehe ich nicht ganz, Sanni entdeckt aber eine Seitenstraße. Dort

        finden wir den Reifenhandel. Für 10.- € ( plus 5.- € Trinkgeld ) wird der Reifen

        repariert und wir fahren weiter.

        An den Marmorbrüchen von Orosei vorbei umfahren wir Dorgali. Hinter der Stadt

        durchbricht ein Tunnel die Steilküste und in steilen Serpentinen geht es hinab nach

        Cala Gonone. Der dortige Stellplatz - direkt an der Straße - spicht uns aber nicht

        an. So machen wir in einer Seitenstraße Mittagspause, schrauben uns wieder die

        Steilküste hinauf und durchfahren die schöne Bergstrecke des "Supramonte". Es

        geht über den "Passo Silena", durch eine Hochebene, in der Pferde, Schweine und

        Ziegen frei herumlaufen zu einer von Peter Höh beschriebenen Quelle. Wir finden

        sie zwar, leider ist sie aber trocken.

        Bei einer Rast an der verlassenen Cantina Bidicolai genießen wir den Ausblick

        auf die wunderschönen Berge und in die Schlucht "Goruppu".

                                

 

       

 

 

       

        Die etwa 1 km lange ziemlich enge Durchfahrt durch Baunei bewältigen wir

        locker, weil ein vorausfahrender Bus uns den Weg freimacht.

        Dann stoßen wir wieder auf die Küste und kommen nach Santa Maria Navarrese.

        Der dortige Stellplatz liegt direkt hinter dem Strand und ist gut ausgestattet.

        Es ist schon gegen Abend, so dass wir den Tag locker mit Womo-Nachbarn beim

        Wein ausklingen lassen. Morgen wollen wir hier noch einen Tag am Strand in der

        Sonne brutzeln.

        11. Tag    Santa Maria Navarrese    Tortoli    Arbatax    Lido di Orri

        Die Nacht wird grausam. Von einer nahe gelegenen Taverne / Disco wummert die

        ganze Nacht bis morgens um 5.00 Uhr laute Musik zu uns herüber, so dass wir

        schlecht schlafen.

        Dafür entschädigt der strahlende Morgen.

        Doch es kommt anders. Auf der Runde mit unseren Vierbeinern komme ich an

        einem Restaurant vorbei. Ein Sarde spricht mich von der Terrasse aus an, ich verstehe

        nur das Wort "Cane" ( Hund ). Dann sagt er noch "kackare", was ich für mich so

        übersetze, dass er wohl meint, die Hunde sch.... überall hin. Ich versuche, ihm klar

        zu machen, dass es nicht so ist und ich mit den beiden ein ganzes Stück weiter gehe,

        wo ein freies unbebautes Gelände mit Schilf ist. Er wird laut, kommt von der

        Terrasse herunter, nachdem er sich einen dicken Knüppel geschnappt hat und

        weicht mir nicht mehr von der Seite. Jetzt bemerke ich, dass er total betrunken ist.

        Er schubst mich am Arm, hebt drohend den Knüppel, so dass ich schon Mühe

        habe, ruhig zu bleiben. Unbeirrt gehe ich mit den Hunden weiter, ihn immer im

        Schlepptau. Als er den Knüppel hebt und drohend auf Willi zugeht - der ist Gott

        sei Dank friedlich - sage ich "Stopp". Der Sarde hält inne, er ist 1 1/2 Köpfe kleiner

        als ich, er fragt plötzlich auf englisch:"Where are your bags?"

        Ich zeige ihm meine Hundebeutel, die wir immer bei uns haben. Damit hat er

        nicht gerechnet. Einen Augenblick gibt er Ruhe, Willi verschwindet im Schilf und

        verrichtet dort sein Geschäft.

        Auch auf dem Rückweg, in ständiger Begleitung durch den Sarden, dabei die

        Drohungen " I kill you, I kill your dogs" ausstoßend, beherrsche ich mich, alles

        andere hätte auch keinen Sinn.

        Wir packen und fahren weg, ich habe keine Lust, ständig diesen Verrückten am

        Tag zu treffen.

 

        Wir fahren Richtung Tortoli und dort dann links nach Arbatax. Nördlich vom Hafen

        finden wir einen schönen wenig besuchten Strand mit toller Aussicht auf die Steil-

        küste im Norden. Leider steht man direkt an der stark befahrenen Straße hinter 

        dem Strand.

        Eine Suche mit dem Roller weiter nach Süden lässt uns dann einen Parkplatz

        am Lido di Orri finden. Dorthin fahren wir und treffen wieder auf Barbara und

        Hanno.

        12. und 13. Tag    Lido di Orri

        Auf dem Parkplatz stehen einige deutsche Wohnmobile, auch ein Italiener und

        ein Franzose stoßen später noch dazu. Der Platz ist groß genug, so dass jeder

        ein Plätzchen hinter der Pineta findet und immer noch genügend Platz für die

        einheimischen Badegäste vorhanden ist.

        Der Strand besteht aus recht feinem Sand, die Bucht wird links und rechts von

        grauen Felsen eingerahmt.

        Es folgen 2 faule Tage, die wir bei dem schönen Wetter mit baden und sonnen

        genießen.

   

 

        Da für die Badegäste in der Pineta sogar mit Zeltplanen und Tischen und Bänken

        Picknick-Dauerplätze eingerichtet sind, stört sich niemand daran, dass wir

        auch unsere Möbel unter die schattigen Bäume stellen.

        14. Tag    Lido di Orri    Quirra ( Torre di Murtas )

        An der Strandbar nebenan kann ich morgens Frischwasser tanken. In Tortoli

        beim "Pellicano" decken wir uns noch ein und fahren dann die SS 125 nach

        Süden.

        In Quirra biegen wir nach links in eine Asphaltstraße ein und halten uns

        wieder links Richtung "Torre di Murtas", ein alter Sarazenenturm, der auf

        einem Berg an der Küste liegt.

        In dieser Gegend gibt es auf den Bergen einige Radarstationen. In der

        Ebene sind aber einige Parkplätze hinter dem Strand, die gut zu erreichen

        sind und auf denen wir auch parken können.

        Wir wählen den letzten Platz. An einer kleinen Lagune vorbei kommt man

        zum Strand.

        Die Freunde und Sanni gehen zum Strand, während ich mir den Roller runter-

        nehme und auf Erkundungstour geht. Diese führt mich bis Muravera und auf

        dem Rückweg nach Porto Corallo. Dort gibt es einen offiziellen Stellplatz

        am Ortseingang, eine Ver- und Entsorgungsmöglichkeit bei einem Restau-

        rant sowie genügend freien Platz hinter dem Strand rechts der Straße.

        Mit diesen Erkenntnissen ausgestattet brumme ich zu meinen Leuten zurück.

        Diese kommen gerade vom Strand wieder zu den Fahrzeugen.

        Plötzlich schreit Hanno:"Unser Wohnmobil ist aufgebrochen worden!"

        Tatsächlich: Ein Seitenfenster wurde herausgehebelt, aus dem Inneren wurden

        Bargeld und eine Uhr gestohlen.

        Auch das Womo eines Italieners ist beschädigt, ihm wurde ein Laptop ge-

        stohlen.

        Unser Fahrzeug ist unversehrt, wahrscheinlich, weil der Trinknapf für die

        Hunde draußen stand und eine Leine über dem Spiegel hing.

        Barbara und Hanno sind völlig fertig. Hier wollen sie nicht länger bleiben.

        Wir packen also zusammen und fahren gemeinsam nach Porto Corallo, wo

        wir hinter dem Strand eine ruhige Nacht verbringen.

        15. Tag    Torre di Murtas    Katastrophen-Tag !!

        Ziemlich früh brechen wir auf und fahren nach Torre di Murtas. Wir haben

        beschlossen, hier einen Badetag zu verbringen, einer von uns wird immer an

        den Fahrzeugen bleiben.

        Diesmal fahren wir auf den vorletzten Parkplatz. Von der Asphaltstraße geht

        ein gut befahrbarer breiter fester Sandweg zu einem Parkplatz hinter dem

        Dünengürtel.

        Früh morgens hatte es geregnet, der Parkplatz ist noch feucht, jedoch ohne

        Probleme zu befahren.

        Wir frühstücken zunächst und dann geht ziemlich plötzlich ein Gewitter nieder.

        Der Regen prasselt auf die Womos, der Platz ist nass und das Wasser steigt.

        Als die Räder so 5 - 10 cm im Wasser stehen, wollen wir runterfahren und 

        woanders abwarten, wann der Regen aufhört.

        Und jetzt beginnt die Katastrophe !

        Hanno fährt vor Richtung Weg zur Hauptstraße. Bevor er auf den Weg kommt,

        sackt sein Wagen plötzlich vorn runter und neigt sich nach links. Er hängt fest

        und ist mit dem Vorderteil des Wagens schon bis über die Räder im Wasser.

        Keine Chance, da wieder raus zu kommen.

        Als ich das sehe, wird mir ganz komisch. Ich unternehme keinen Versuch, vom

        Parkplatz herunter zu fahren. Erstens ist die Ausfahrt nicht breit genug, neben

        Hanno auf den Sandweg zu kommen, zweitens weiß ich nicht, wie groß das

        Loch ist, in das er eingesackt ist und befürchte, ebenfalls dort einzusinken.

        Also hilft jetzt nur zu warten, dass der Regen endlich aufhört.

        Das ist ein unheimliches Gefühl von Hilflosigkeit, man sitzt im Fahrzeug und

        kann quasi sehen, wie das Wasser rundherum steigt und steigt. Irgendwann

        steige ich aus, da ist das Wasser bis ca. 20 cm unterhalb der Stauklappen und

        Türöffnungen angestiegen. Es regnet weiter.

        Dann sickert Wasser ins Wohnmobil, es steigt und steigt. Wir schöpfen mit

        Eimer und Schüssel, kommen aber nicht gegenan.

        Plötzlich schreit Sanni:"Ein Tornado!" Tatsächlich, von den Bergen kommt eine

        Windhose auf unsere Fahrzeuge zu, reißt Büsche und Steine hoch.

        Hanno's Wagen fängt an zu schwanken, ich denke, der kippt um. Barbara und

        er springen aus dem Auto.

        Auch unser Womo neigt sich stark hin und her, wir haben Angst, dass es um-

        kippt.

        Ich rufe:"Raus!" Wir schnappen uns einen Rucksack, Papiere und Geld, die

        Kamera und öffnen die hintere Tür. Unsere Hunde wollen nicht ins Wasser

        springen, ich werfe sie hinein und wir springen hinterher.

        Willi findet gleich die Richtung zum Weg, Ayka hat keine Orientierung. Also

        schnappe ich sie mir und wir waten, Ayka auf den Armen zum Weg, bloß raus

        aus diesem See.

 

        Am Hang stehen wir dann, bloß notdürftig angezogen, im strömenden Regen

        und müssen zusehen, wie die Wohnmobile immer weiter im Wasser versinken.

        Erst nach 1 1/2 bis 2 Stunden hört der Regen auf.

 

 

 

 

                           

        Man kann es eigentlich nicht beschreiben, was in uns vorging. Diese Hilflosigkeit !

        Langsam, ganz langsam fließt das Wasser vom Parkplatz Richtung Meer ab, weil

        der Dünengürtel durchgebrochen ist.

        Hanno hatte schon vor dem Rausspringen über Handy die Polizei um Hilfe gerufen,        

        es dauert lange, bis endlich jemand von der Straße zu uns kommt. 

        Ein Jeep des italienischen "Protezione Civile", der wohl im Auftrag der Polizei

        losgefahren ist, um uns zu suchen.

        Mit der Hilfe von Natale, so heißt der Mann, der uns den ganzen Tag hilft, können

        wir die Fahrzeuge aus dem Loch auf den Weg ziehen. Hanno's Wagen sagt

        keinen Muckser mehr, er stand bis Oberkante Armaturenbrett unter Wasser,

        unser Auto startet zwar, dennoch muss Natale uns auch an die Kette nehmen

        und durch das Loch herausziehen. Dabei bestätigt sich, dass ich ebenfalls

        unweigerlich dort eingesackt wäre, hätte ich versucht, heraus zu fahren.

 

        Sofort, als wir auf dem Trockenen stehen, beginnen wir, die Fahrzeuge leer

        zu räumen, wischen drinnen alles aus, leeren die Stauklappen, in denen das

        Wasser steht und versuchen, alles soweit möglich trocken zu legen.

 

        Der Abschleppwagen für Hanno kommt zwar irgendwann, er kann aber nicht

        von der Straße zu uns kommen, weil dazwischen zwei Senken liegen, die ebenfalls

        tiefe Wasserlöcher sind.

        Dort ziehen wir mit Hacke, Schaufel und Spaten Entlastungsgräben, damit die

        Brühe schneller abläuft. Jetzt wird auch erst das ganze Ausmaß der Überschwemmung

        deutlich. Zum einen waren es die gewaltigen Regenmengen von oben, zum

        anderen die Wassermassen, die von den leichten Hängen in den Parkplatz

        hinein gelaufen sind.

 

        Gegen 17.30 Uhr wird Hanno's Wohnmobil "Huckpack" genommen und wir

        fahren ca. 50 km bis Castiadas zu einer Fiat-Werkstatt.

        Dort dürfen wir auf dem Hof übernachten. Morgen soll Hanno's Womo in

        Angriff genommen werden, die Mechaniker wollen versuchen, den Wagen

        wieder zum laufen zu bringen. Wir sind skeptisch.

        Abends stärken wir uns nach diesem Wahnsinnstag in einer Taverne bei

        einer Riesenpizza und einigen Grappa zuviel.

        16. Tag    Castiadas    Cala di Marina

        Den ganzen Tag werkeln die Werkstattleute an dem Womo herum, der Motor

        wird soweit möglich auseinander genommen, alle Schläuche ab, der Tank aus-

        gebaut und gereinigt.

        Währenddessen halten wir uns auf dem Werkstatthof auf, räumen erneut

        alles leer und legen die Sachen zum Trocknen aus. Unsere Freunde sind

        nach wie vor wie gelähmt, als sie das ganze Ausmaß der Schäden an ihrem

        Womo sehen: Alles voller Schlamm, die Polster bis auf halbe Höhe der

        Sitzlehnen pitschnass, Lebensmittel verdorben und, und, und.

        Wir selbst standen zwar im Womo auch mit den Füßen im Wasser, jetzt

        machen wir alles sauber, ich krieche unter den Wagen und klopfe die

        Bodenplatte ab. Sie fühlt sich hart an, die Verbindung zu den Seitenwänden

        ebenfalls. Es keimt Hoffnung auf, dass wir vielleicht glimpflich davon kommen.

        Zwischendurch schauen wir den Mechanikern, die mit bewundernswerter

        Ruhe und Ausdauer ein Teil nach dem anderen untersuchen, zu.

        Gegen 16.30 Uhr dreht einer den Zündschlüssel um, eine ca. 2 m lange

        schwarze Brühe schießt aus dem Auspuff quer durch die Werkstatt und der

        Motor läuft ! Eigentlich unvorstellbar, das sind wahre Zauberer !

        Nachdem auch noch die Elektrik notdürftig wieder repariert ist, wir bei

        unserem Wagen die verschlammten Scheinwerfer mit Pressluft gereinigt

        haben, fahren wir kurz vor 19.00 Uhr vom Hof.

        Wir wollen an der Küste in Cala di Marina übernachten und morgen direkt        

        zur Fähre nach Olbia.

        In Cala di Marina gibt uns jemand den Tipp auf die Taverne "Da Gianni", wo

        man gut essen kann.

        Dort werden wir dann bestens versorgt und können auf dem Hof übernachten.

        Unsere Freunde sind dankbar, dass wir den Tag mit ihnen ausgeharrt haben

        und auch gemeinsam nach Deutschland zurück fahren wollen.

        Für uns ist das selbstverständlich.

        17. Tag    Rückfahrt nach Olbia

        Unsere Rückfahrt geht zunächst über die SS 125 nach Norden bis Tortoli.

        Dort biegen wir in die Berge ab. Die wunderschöne Bergstrecke geht über

        Villagrande und stößt dann auf die SS 389. Am Lago di Flumendosa vorbei

        fahren wir auf der gut ausgebauten SS 389 über Nouro Richtung Olbia.

        Als wir in die Berge hochfahren, bieten sich wunderschöne Ausblicke zur

        Küste hinunter. Uns wird noch einmal deutlich, dass Sardinien eine wunder-

        schöne Insel ist. Ob wir wiederkommen ? Dafür ist im Augenblick kein

        Platz im Kopf.

        Mittagspause in La Caletta.

        Gegen 15.30 Uhr sind wir in Olbia im Hafen. Jetzt müssen wir versuchen,

        die Tickets umzubuchen. Unsere ursprünglich geplante Rückfahrt ist ja erst

        für den 22. September vorgesehen gewesen, unsere Freunde wollten erst

        Anfang Oktober zurück.

        Nachdem wir in den Industriehafen geschickt werden, können wir dort die

        Passagen umbuchen und bekommen noch mit viel Glück 2 Plätze auf dem 

        Camperdeck der Nachtfähre. Wir fahren nicht, wie vorgesehen, nach

        Piombino sondern nach Livorno zurück.

 

 

        18. - 20. Tag    Rückfahrt nach Deutschland

        Die Überfahrt wird recht schwankend, es ist einiger Seegang und nachts

        und morgens regnet (!) es. Wir können das Geräusch nicht mehr höen !

        Von der Rückfahrt gibt es nicht viel zu berichten. Unsere Fahrt geht über

        Florenz - Bologna - Brenner - Fernpass - A 7 nach Hause.

        Fazit:

        Wie schon eingangs geschrieben:

        Sardinien ist eine wunderschöne Insel. Wir werden, sollten wir wieder

        hinfahren, sicherlich später dort eintrudeln. In der zweiten Woche des        

        Aufenthalts war deutlich zu spüren, dass der Andrang nachließ, dass

        die Strände sich leerten und die Möglichkeiten, mit dem Wohnmobil

        frei zu stehen, sich verbesserten.

        Im Gegensatz zu Griechenland haben wir doch genügend Möglich-

        keiten gefunden, problemlos zu entsorgen, sei es in einer Kläranlage,

        auf Stellplätzen oder, wie in Lido di Orri, in der Toilette eines Park-

        platzes.

        Wir haben alle Plätze, an denen wir frei standen, so verlassen, wie

        wir selbst sie vorzufinden wünschen, teilweise habe ich Müll gesammelt.

        Das Umweltbewusstsein scheint nicht sehr ausgeprägt zu sein, was

        wir immer wieder mit Verwunderung feststellen. Es ist nicht zu ver-

        stehen, warum man als Bewohner einer so schönen Landschaft sich

        diese verschandelt.

        Wir haben aber auch wieder jemanden gesehen, der direkt hinter dem

        Strand seinen Abwasserhahn geöffnet hat. Auf Ansprache wurde mit

        Nicht-Reagieren geantwortet.

        Freunde und Nachbarn, die uns fragten: "Na, wie war's?" und die dann

        die Geschichte hörten, sprachen halb scherzhaft von "Abenteuerulaub".

        Nun ja, das war es sicher, aber es gibt Abenteuer, auf die wir gern ver-

        zichten können.

        Uns ist klar und wir sind dankbar, dass es für uns und unsere Hunde so

        glimpflich ausgegangen ist, das ist letztendlich das Entscheidende.

        Alles andere sind Sachwerte, die ersetzbar sind.

        Eine ganz wichtige Erkenntnis aus unserem Erlebnis ist die, dass wir

        Menschen doch in vielen Situationen hilf- und machtlos sind, und, ohne

        philosophisch zu werden: Vielleicht ist das auch gut so, dass man hin

        und wieder seine Grenzen erkennt.