Wer oder was ist Pedro ?

        Nun, das ist der Name, den wir einem Hund in Griechenland gegeben haben.

        Und das ist seine Geschichte - die Geschichte einer Rettung.

 

        Im September 2008 waren wir in Griechenland. Wie so oft, brauchten wir nach

        der langen Fährüberfahrt ein wenig Ruhe und Entspannung, wozu wir einen Platz

        in Kanali an der griechischen Westküste aufsuchten. Dort kann man herrlich auf

        einer Wiese oberhalb des Strandes stehen.

        Als wir am Urlaubsanfang dort ankamen, lief dort ein frei lebender Hund herum,

        ein Mischling. Dieser interessierte sich sehr für unsere Ayka, denn sie war gerade

        läufig. Das gefiel Willi natürlich überhaupt nicht, so dass er den Hund mehrmals

        wegjagte.

        Ein wenig tat uns der Grieche leid, aber so ist das nun mal unter Hunden, solche

        Art Konkurrenz regeln sie untereinander.

 

        Nach einigen Tagen starteten wir unsere Rundreise und kamen Ende September

        wieder zu dem Platz in Kanali. Der griechische Hund war zunächst nicht zu sehen.

        Auf der ersten Runde mit unseren beiden Fellnasen schnupperten diese auffällig

        in das kleine Wäldchen neben der Wiese hinein.

        Und siehe da: Aus dem Wald kam der Grieche. Aber: war er vor 3 Wochen noch

        quicklebendig, so schlich er jetzt mühsam dahin, indem er den rechten Hinterlauf

        nachzog. Oberhalb des linken Auges hatte er eine ziemlich starke Wunde.

        Alles sah danach aus, dass er wohl von einem Auto angefahren worden war.

 

        Als Hundefreunde ließ uns dieses Schicksal nicht kalt und so ging es auch Claudia

        und Lars, einem jungen Pärchen, welches wir ca. 14 Tage vorher auf Evia kennen

        lernten. Beide hatten ebenfalls zwei eigene Hunde bei sich.

        Der Grieche suchte Anschluss und kam zutraulich zu unseren Wohnmobilen. Uns

        rührte sein Zustand sehr und so bekam er zu fressen und reichlich Streicheleinheiten.

        Von Anfang an machten wir uns alle vier Gedanken darüber, was wohl passiert

        war und vor allem, wie man dem Tier helfen könnte ? Dies umso mehr, als es sich

        bei dem Hund um einen wirklich lieben Kerl handelt, der neugierig aber ruhig zu

        uns kam, sich neben das Wohnmobil legte und auch, da er keine Konkurrenz mehr

        für unsere Ayka war, von unseren Hunden freundlich aufgenommen wurde.

 

       

        unsere Hunde lassen Pedro in Ruhe.

                                       

                                                           Pedro ruht sich aus, dabei helfen die Schmerzmittel.

 

        Mehrere Möglichkeiten wurden erwogen:

        Den Hund zum Tierarzt bringen, untersuchen lassen, behandeln lassen.

        Ihn mit nach Deutschland nehmen, einfach auf die Fähre "schmuggeln".

        Ihn einfach dort lassen, seinem Schicksal überlassen ? Nein !!, die letzte Möglich-

        keit wurde sofort wieder ausgeschlossen.

        Wir konnten ihn nicht mitnehmen, erstens haben wir selbst zwei Hunde und dazu

        sind wir beide berufstätig. Dasselbe traf aber auch auf Claudia und Lars zu.

        Nach einem Tag, an dem wir uns mit nichts anderem als diesen Fragen im Kopf

        beschäftigten, überraschten uns Claudia und Lars am nächsten Morgen damit, dass

        sie den Hund mit nach Deutschland nehmen wollten, dort behandeln lassen und ihn

        dann weiter vermitteln wollten.

        Mein Vorschlag war, auf jeden Fall einen Tierarzt aufzusuchen, um erst einmal zu

        wissen, welche Verletzungen er hat, ihn impfen und chippen zu lassen und ihm einen

        Pass zu verschaffen. Denn nur so machte ein Transport nach Deutschland Sinn.

        Konnte seine Verletzung in Deutschland geheilt werden ? Nur dann machte die

        Vermittlung einen Sinn, denn einen Hund mit einer dauerhaften Behinderung würde

        wohl niemand so schnell nehmen, womit dem Hund letztlich nicht gedient wäre.

 

        Zum Glück hatte ich mir vor der Reise Adressen von griechischen Tierärzten aus ver-

        schiedenen Gegenden Griechenlands aus dem Internet heraus gesucht. Am Wochen-

        ende erreichten wir allerdings keinen von ihnen, aber am folgenden Montag bekamen

        wir Kontakt zu Dr. ROSSOS in Preveza, dem wir am Telefon die Situation schilderten und

        der sich sofort zu einer Untersuchung bereit erklärte.

        Lars und ich fuhren nun mit dem Hund in die Tierklinik, wo Pedro, hier bekam er jetzt

        seinen Namen, untersucht, geimpft, gechipt und gewogen wurde und wo der Arzt

        feststellte, dass der rechte Hinterlauf ganz oben gebrochen war. Dies sei aber kein großes

        Problem, der Bruch könnte ohne Schwierigkeiten in Deutschland operiert werden.

        Der Hund ist ca. 1 bis 1 1/2 Jahre alt und ist bis auf die aktuelle Verletzung gesund.

 

                                       

                                        Pedro mit Lars bei der Behandlung in der Tierklinik

                       

        Nach Erledigung der Formalitäten, Verabreichung von Schmerzmitteln und Antibiotika

        konnten wir Pedro wieder mitnehmen.

        Wir alle vier hatten ein unglaubliches Glücksgefühl.

        Pedro hat alles geduldig über sich ergehen lassen, er spürte wohl, dass wir ihm was

        Gutes tun wollten.

 

                                       

                                        Pedro's Verletzung über dem linken Auge. Finde ich ein gutes Zuhause ?

 

        Leider war die Diagnose des griechischen Tierarztes zu optimistisch. Das Becken des Hundes ist

        ebenfalls angebrochen, der Oberschenkel weist eine Art Trümmerbruch auf. 

        aktueller Stand:

        Pedro ist heute (10.10.2008)von Claudia aus der Klinik geholt worden. Das Becken weist 2 kleine Brüche 

        auf, die aber von selbst verheilen. Der Oberschenkelknochen wurde mit einer Platte genagelt und

        wird wieder stabil werden.        

        Ich habe in verschiedenen Internet-Foren um Spenden für die Operationskosten gebeten, die

        Bitte ist von etlichen Menschen erhört worden, die uns bisher gut unterstützt haben. Pedro und

        wir sagen dafür ganz herzlichen Dank !

 

                                       

                                                                                Danke - ihr lieben Menschen!

 

        Pedro hat sich super in seiner Gastfamilie bei Claudia und Lars eingelebt. Er ist ein echter

        Schmuser, der wohl einfach spürt, dass wir es gut mit ihm meinen. Er genießt das Haus

        seiner Gastgeber und hat sich sehr mit den beiden Hunden "Gundel" und "Drago" 

        angefreundet.

        Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis er wieder richtig laufen kann, aber von Tag zu

        Tag werden die Fortschritte größer und er lernt wieder, das vierte (operierte ) Bein wieder

        zu benutzen. Dabei sind Claudia und Lars sehr geduldige Hundeeltern.

 

        Wir, d.h. Susanne und ich, haben uns entschlossen, Pedro ab Frühjahr 2009 bei uns aufzu-

        nehmen. Zum einen habe ich dann mehr Zeit, weil ich in Pension gehe, zum anderen ist es

        uns allen vier lieber, den Hund in eigener Hand zu behalten und nicht an jemand Fremden 

        zu vermitteln.

        Bei uns kann er ohne Probleme als "Dritthund" leben, wir wohnen auf dem Land, das Grund-

        stück ist groß genug und im Haus haben wir auch genügend Platz.

 

        Hier noch einige aktuelle Fotos von Pedro bei seinen Gasteltern:

 

                

                

 

        Alles in allem sind wir überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Pedro wäre mit der

        Verletzung wohl heute nicht mehr am Leben. Wir würden jederzeit wieder so handeln,

        wenn ein Tier so in Not geraten würde.

 

        Anfang November besuchen wir Pedro, Claudia und Lars in Tönning und fahren bei

        herrlichem Wetter an den Strand von St.Peter-Ording. Pedro ist guter Dinge und saugt

        neugierig die Umgebung auf.

 

                   

                                                                   

                                                                         

 

        Fortsetzung - November 2008

        Etwa Mitte November erreichen uns "Notrufe" von Claudia und Lars:

        Pedro und der Rüde Drago, die bis jetzt sehr schmusig miteinander umgegangen sind,

        vertragen sich nicht mehr. Beide kriegen sich richtig in die Wolle, der recht große und

        kräftige Drago hat sich den Kleinen geschnappt und am Genick durch den gesamten

        Garten gezogen. Die Gasteltern befürchten, dass es zu wirklich ernsthaften Problemen

        zwischen den Rüden kommt und insbesondere Pedro's noch nicht ausgeheilte Bein-

        verletzung Schaden nehmen könnte. 

        Claudia und Lars sind ratlos. Die Mutter von Claudia ist unter diesen Umständen auch

        nicht mehr bereit, die Hunde einzuhüten. Was tun ?

        Nach einigen Tagen Abwarten und erneuten Beißereien zwischen beiden entschließen

        wir uns, Pedro jetzt schon zu uns zu nehmen. Wir haben uns erkundigt - im Nachbardorf

        gibt es einen Rentner, der als eine Art "Tagesmutter für Hunde" Fellnasen tagsüber bei

        sich aufnimmt, so dass man sein Tier nachmittags wieder abholen kann.

        Nachdem wir mit ihm telefoniert haben und er sich bereit erklärt, Pedro zumindest in

        der ersten Zeit, bis der Kleine sich in unser Rudel eingefügt hat, aufzunehmen, kommt

        das griechische Findelkind am 21.11. 2008 zu uns.

 

       

 

        und da ist er nun, natürlich noch unsicher und unsere beiden wissen auch erst mal

        nicht, was der dritte Hund im Haus bedeutet.

        Die ersten Tage vergehen mit Eingewöhnung, Pedro ist recht unsicher. Schon wieder

        ein neues Rudel, eine neue Umgebung, der Kleine macht aber auch sehr viel mit im

        Moment.

        Ganz wichtig, um allen drei Hunden gerecht zu werden, ist die Frage der Rangordnung.

        Unsere beiden - ein eingeschworenes Team - dürfen auf keinen Fall das Gefühl

        haben, jetzt irgendwie weniger beachtet zu werden. Pedro muss sich einfügen, das

        heißt, er muss sich hinten anstellen. Dazu achten wir darauf, dass unsere beiden

        genau so viel Beachtung finden wie vorher auch, d.h., wenn Pedro gestreichelt wird, 

        dann die anderen beiden natürlich auch.

        Bei der Futterverteilung ist es noch etwas hektisch: Der Grieche ist immer noch recht

        ausgehungert und sehr stürmisch, wenn es Fressen gibt, dennoch muss er lernen, dass

        er als letzter Futter kriegt. Also: Ayka, dann Willi und dann Pedro. Das gelingt nur, indem

        wir Pedro festhalten, wenn die anderen beiden ihre Näpfe bekommen. Er stürzt sich dann    

        auf seinen Napf und schlingt wie ein Wahnsinniger. Das kennen wir von Willi in seiner

        Anfangszeit auch, er war ebenfalls unterernährt.

        Dies soll nun beileibe kein Vorwurf gegen Pedro's bisherige Gasteltern sein. Der Hunger

        rührt noch aus seiner griechischen Zeit her, in der er sicher nie regelmäßig und aus-

        reichend Nahrung bekommen hat. Außerdem hat die große Operation doch kräftig an

        ihm gezehrt. Das sieht man schon daran, dass er bei der Untersuchung in Griechenland

        ca. 23 kg wog und jetzt gerade mal 20 kg auf die Waage bringt.

        Nun, das wird alles werden, er wird lernen, dass er immer regelmäßig genügend Futter

        bekommt und er wird ruhiger werden.

 

 

        Inzwischen hat sich Pedro recht gut bei uns eingelebt. Seine Position innerhalb des Rudels hat er

        akzeptiert. Bei der Futterverteilung wartet er ruhig ab, er weiß, wann er dran ist und dass es

        regelmäßig und genügend Nahrung gibt.

        Ayka und Willi haben ihn akzeptiert, irgendwelche Kämpfe zwischen den dreien gibt es nicht.

        Der "Grieche" hat eine recht gute Bindung zu seinem Rudel aufgebaut, er genießt sein Leben.

 

        Die Verletzung ist so gut wie ausgeheilt, der Hund läuft wieder ganz normal auf vier Beinen, das

        frühere Humpeln ist völlig verschwunden, Pedro ist ein kräftiger gesunder Hund geworden.

        

        Mit dem Gehorchen ist das so eine Sache: Da sind wir von Ayka und Willi doch recht verwöhnt,

        gehorchen diese beiden doch recht gut, was Pedro noch schwer fällt. Nun, er hat wohl etwa ein

        Jahr für sich allein gelebt, niemand hat ihn erzogen, er hat "sein Ding" gemacht. Und nun kommt

        da so ein Zweibeiner, der ihm sagen will, wo's langgeht. Das braucht seine Zeit.

        So können wir ihn auch nicht ohne Leine laufen lassen, weil er dann in seine alte Gewohnheit ver-

        fällt und sich "die Gegend ansieht". Wir nutzen eine ca. 15 m lange Schleppleine, die er hinter sich

        herzieht und mit der man ihn zu fassen kriegt, wenn er auf Entdeckertour gehen will.

        Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit ihm und er ist es offensichtlich auch.